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Ausbildung - Übersicht
Die theologisch-grundlegende und die theologisch-umsetzende Ausbildung von Studierenden sind eng miteinander verschränkt. Die theologischen Fakultäten einerseits und die kirchlichen Arbeitsstellen anderseits haben in den letzten Jahren dazu eine partnerschaftliche Struktur entwickelt. Das gilt für alle drei zurzeit aktuellen Ausbildungssysteme in der Schweiz (Konkordat, Bern-Jura-Solothurn, Romandie).
A Bachelor-Teil des Studiums
Studierende erwerben in allen Bereichen der grundlegenden Theologie - biblische Wissenschaften (Altes und Neues Testament), Systematik (Dogmatik und Ethik), Kirchengeschichte, Praktische Theologie – Kenntnisse durch Vorlesungen, Seminare, Studienarbeiten, Exkursionen etc. Dazu kommen weitere Fächer wie Religionswissenschaft oder in beschränktem Rahmen frei gewählte (180 Kreditpunkte, 6 Semester).
B Master-Teil des Studiums
Studierende vertiefen ihre Kenntnisse in den genannten Bereichen der grundlegenden Theologie und werden zu einer Übersicht über die zentralen Themen und den heutigen Diskussionsstand in den jeweiligen Fächern befähigt. In einer abschliessenden, ausführlichen und vertiefenden Lizentiatsarbeit weisen sie sich über ein theologisches Denken und Erkennen aus, das aus der Zusammenschau der einzelnen Disziplinen entsteht. Auch im Masterteil finden Semesterprüfungen (Leistungskontrollen in Form von Referaten, Essays oder Prüfungen) zur Evaluation in den fünf Hauptfächern statt; die bisherigen «Blockprüfungen» am Ende der Ausbildungszeit entfallen (120 Kreditpunkte, 4 Semester).
C Bachelor- und Masterteil
Bachelor- und Masterteil sehen an den drei deutschschweizerischen Fakultäten ähnlich aus. Das Programm wurde unter den beteiligten Fakultäten eingehend diskutiert, angeglichen und aufeinander abgestimmt, sodass eine Freizügigkeit für die Studierenden möglich ist und entsprechend der Schwerpunkt-Profile genutzt werden kann. Die drei Fakultäten in der Romandie, strukturell verbunden in der «Fédération des Facultés Romandes », haben ihre inhaltlichen Schwerpunkte auf die einzelnen Standorte aufgeteilt (Beispiel: Praktische Theologie in Neuchâtel); für einen Masterabschluss können drei Disziplinen ausgewählt und kombiniert werden.
1 Mentorat
Im Laufe des ersten Semesters werden die Studierenden über die einzelnen Elemente der theologisch-umsetzenden Ausbildung informiert, welche von den Kirchen angeboten und verantwortet wird. Über die ganze Studienzeit hin zieht sich die Begleitung durch eine Mentorin/einen Mentor.
2 Ekklesiologisch-Praktisches Semester EPS
In diesem neuen, fünf Monate dauernden «Gefäss» der Konkordatskirchen arbeiten die Studierenden in einer Gemeinde in insgesamt vier Erfahrungsfeldern: Bereich Wirtschaft/Arbeit/Umwelt, Bereich Schule, Bereich Diakonie/Soziale Dienste, Bereich Kirchgemeinde. Gespräche mit der begleitenden Pfarrperson, Teilnahme an gemeindlichen Veranstaltungen und Gruppensupervisionen vertiefen die Erfahrungen während dieser Zeit an einem ausser-universitären Lernort.
2a Bern: Praktisches Semester
Seit 12 Jahren wird das sechsmonatige Praktikum als Teil des Theologiestudiums an der Universität Bern durchgeführt. Die zukünftige Durchführung des PS im Rahmen des Bachelorstudiums (5. Semester) wird von einer gemeinsamen Trägerschaft von Landeskirche, theologischer Fakultät und Kirchendirektion des Kantons Bern ermöglicht. Die Verzahnung von wöchentlich drei Praktikumstagen in einer Kirchgemeinde mit spezifischen Lehrveranstaltungen an zwei Tagen an der Fakultät intendiert einen starken Theorie-Praxisbezug. Ergänzend finden zwei Blockseminare statt. Zusätzlich ist in der vorlesungsfreien Zeit ein Diakonie- oder Betriebspraktikum zu absolvieren.
2b Romandie: Praxiswochen
Die Studierenden in Lausanne, Genève und Neuchâtel haben während ihrer universitären Ausbildungszeit drei kurze Wochen-Praktika zu absolvieren.
3 Entwicklungsorientierte Eignungsabklärung
Am Anfang des Studiums, unmittelbar nach dem EPS, vor dem Lernvikariat und am Ende des Lernvikariats finden die vier vorgegebenen Explorationen mit einer der vier Subkommissionen der KEA (Kommission für die entwicklungsorientierte Eignungsabklärung) statt. Die vierte Exploration hat «sommativen» Charakter, d.h. sie ist mitentscheidend für die Zulassung zur praktischen Prüfung am Ende des Lernvikariats.
3a Bern: Rückmeldungen aus Praktischem Semester
Rückmeldungen auf bestimmte Aspekte der Eignung, die aus dem Praktischen Semester resultieren, begleiten die Studierende in die weitere Studienzeit. Im Lernvikariat werden sie genutzt im Blick auf die Lernvereinbarung, die u.a. der Eingangs-, Zwischen- und Abschlussqualifikation durch den Ausbildungsrat zugrunde liegt.
3b Romandie: Assessment vor dem Lernvikariat
Vor der Aufnahme ins Lernvikariat findet ein ausführliches Assessment statt. Es dauert einen bis zwei Tage und ist wissenschaftlich begleitet.
4 Lernvikariat
Kernstück der kirchlichen Ausbildung im Konkordat bildet, wie in allen drei kirchlichen Systemen, das einjährige Lernvikariat. Es findet in einer Kirchgemeinde statt, begleitet von einer erfahrenen und zusätzlich ausgebildeten Pfarrperson. Dazu kommen rund zwölf obligatorische Kurswochen und einige wenige Wahlangebote. Thematische Einzelstunden oder -tage, regionale Gruppen und eine Ausbildungssupervision ergänzen das Programm. Ziel des Lernvikariats ist es, die einzelnen pfarrdienstlichen Handlungsfelder kennen zu lernen, darin mitzuwirken und zunehmend mehr eigenständig Aufgaben zu übernehmen. Im Laufe des Jahres sollen die Teilnehmenden zur verantwortlichen Führung eines Pfarramtes befähigt werden. Im Mittelpunkt des Lernvikariats stehen die Bereiche Gottesdienst/Liturgie (Homiletik), Seelsorge (Poimenik), Gemeindebau und Gemeindeleitung (Kybernetik) und Bildung auf allen Stufen (Katechetik). Die begleitende Portfolioarbeit ist ein neues, zweckmässiges Instrument, das deutlich macht, dass letztlich alle erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen aus dem professionellen wie aus dem persönlichen Bereich für die pfarrdienstliche Tätigkeit genutzt werden können.
4a Bern: Lernvikariat
Das Lernvikariat ist die konzentrierte Vorbereitung auf den PfarrerInnenberuf. In ihm sollen die LernvikarInnen die grundlegenden Kenntnisse, Einsichten und Fertigkeiten ausbilden, die sie zur selbständigen Führung eines Pfarramtes brauchen. Es findet in einer Kirchgemeinde unter Leitung einer ausgewiesenen Ausbildungspfarrerin oder bei einem ausgewiesenen Ausbildungspfarrer statt. Die Ausbildung in der Kirchgemeinde wird von Supervision begleitet. Der Praktisch-theologische Kurs ist obligatorischer Bestandteil der Ausbildung für das Pfarramt während des einjährigen Lernvikariats (zwölf Kurswochen, Impuls- und Studientage und Zeiten für Wahlangebote). Er beachtet konzeptionell das kritische Wechselspiel der Bezugsgrössen Gesellschaft / Kirche / PfarrerInnenberuf – Wissenschaft – Person; er öffnet den Blickwinkel über die spezifischen Gemeindeerfahrungen hinaus auf den gesamtkirchlichen, ökumenischen und gesellschaftlichen Erfahrungshorizont und fördert die professionellen und menschlichen Fähigkeiten für eine eigenständige Führung des Pfarramtes. Im Mittelpunkt stehen Gottesdienst/Liturgie, Kasualien, Kirchlicher Unterricht, Seelsorge, Kirche in verschiedenen Kontexten und Kirchgemeinde als Tor zur Welt. Der gesamte Ausbildungsprozess wird durch Portfolioarbeit verknüpft und gesteuert.
4b Romandie: Stage
Inhaltliche Gestaltung und Zielsetzung des ebenfalls 12-monatigen Lernvikariats in den welschen Kirchen sind derjenigen in Bern und im Konkordat sehr ähnlich. An ihm nehmen Studierende aus allen Kirchen der Romandie teil, auch wenn formal kein Konkordat besteht und die spätere Ordination weiterhin nur für die jeweilige Landeskirche gilt.
5 Kompetenznachweis (praktische Prüfung)
Nach einem breit angelegten Kompetenznachweis im Konkordat (praktische Prüfung, bestehend aus einem vorgängig eingereichten Dossier mit Selbst- und Fremdeinschätzung im einzelnen Handlungsfeld, einer Präsentation und einem Evaluationsgespräch) wird das Wahlfähigkeitszeugnis erworben.
5a Bern: Staatsexamen
Aufgrund der besonderen Trägerschaft in Bern schliesst die Ausbildung mit einem Staatsexamen ab (zwei Praxisvollzüge: Gottesdienst und Unterricht, schriftliche und mündliche Prüfungen zu praxisrelevanten Fragestellungen sowie der bestandenen Eignungsabklärung).
5b Romandie: Prüfungen
Die welschen Kirchen haben als Voraussetzung für die Aufnahme ins Lernvikariat festgelegt, dass ein theologischer Abschluss zwingend die Disziplin «Praktische Theologie» aufweisen muss. Die den oben geschilderten Prüfungen vergleichbare finden erst am Ende einer VerweserInnen-Zeit, ca. zwei Jahre nach dem Lernvikariat, statt.
6 Ordination/consécration
Den feierlichen Abschluss der Ausbildungszeit bildet die Ordination durch die einzelnen Landeskirchen. In der Romandie folgt auf das Vikariat eine ein- bis zweijährige Phase des «auxiliariats»; die praktische Prüfung und die «consécration» in der Heimatkirche können in dieser Zeit beantragt und durchgeführt werden.
7 Weiterbildung WeA
In den ersten fünf Amtsjahren haben Amtseinsteigerinnen und -einsteiger in den Konkordatskirchen acht Veranstaltungen zu besuchen (Weiterbildung in den ersten Amtsjahren). Die Ref. Kirchen Bern-Jura-Solothurn bieten zurzeit fünf Veranstaltungen an. Dabei handelt es sich einerseits um Seminare (SeA), Fachcoachings in den grossen Handlungsfeldern (FeA) und Coaching im ersten Amtsjahr (CeA). In beiden Systemen leisten die Kirchen grosszügige finanzielle Erleichterungen. In den Kirchen der Romandie sind Veranstaltungen in den «cinq premières années» geplant.
8 Zukunft
Zurzeit laufen intensive Gespräche und konkrete Vorarbeiten im Blick auf ein gesamt-schweizerisches Ausbildungskonkordat, in dem die drei bisherigen Systeme unter einem Dach vereint sind, unter Wahrung ihrer jeweiligen Autonomie und ihrer Besonderheiten.
© Arbeitsstelle für die kirchliche Ausbildung, Zürich − Letzte Änderung an dieser Seite: 25.05.2010
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